Kamenz

Unsere Heimatstadt ist das kleine Städtchen Kamenz in Sachsen, fast 800 Jahre alt “Kamjenc” – aus dem Slawischen für “Ort am Stein”.

Aus der Urkunde vom 19. Mai des Jahres 1225, die wegen der Weihe der neuen Kamenzer Kirche ausgefertigt wurde, geht hervor, dass aufgrund eines Brandes die Kapelle am Jakobsberg – und mit ihr eventuell auch die dortige Siedlung – ein Raub der Flammen wurden. Mit der neuen Kirche wurde zugleich die Siedlung neu errichtet, die nun um den heutigen Markt zu einer befestigten Stadt ausgebaut wird, was die Bezeichnung “oppidum” vermuten lässt.

Gelangte Kamenz schon im Mittelalter zu Reichtum und Unabhängigkeit. Dies ist vor allem der Lage an der königlichen Handelsstraße “Via Regia” und der Mitgliedschaft im 1346 zusammen mit Bautzen, Löbau, Zittau, Görlitz und Lauban (polnisch Luban) gegründeten Sechsstädtebund zu verdanken. Die Stadt tat sich schwer mit der Gründung eines Kloster direkt vor den Toren der Stadt. Ausschlaggebend war die enge Bindung an das Kloster St. Marienstern. Erst die Einigung zwischen Stadtrat und des Hauptmanns zu Budissin, in Vertretung des Landvogts der Oberlausitz und somit des böhmischen Königs, im Jahre 1492 machte den Weg für den Bau des Franziskanerklosters frei. Aber der Weg war steinig. Immer wieder entstanden Streitigkeiten zwischen Rat und Konvent bzw. König. Dieser befahl dem Rat, die Arbeiten am Klosterbau nicht zu behindern, und erteilte zugleich zahlreiche Privilegien, um den Rat zur Zusammenarbeit zu bewegen. Auch nach der Weihe der Klosterkirche im Jahre 1512 kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, die möglicherweise dann bereits im Zusammenhang mit der einsetzenden Reformation zu sehen sind. Dies sind wohl die Gründe, warum dem Kloster kein guter Stand vergönnt war. Schon ein halbes Jahrhundert später bestand das Kamenzer Konvent vermutlich nur noch aus vier Mönchen. Da keine neuen Ordensbrüder geschickt werden könnten, einigte sich im Jahre 1565 das Kapitel des Franziskanerordens unter Vermittlung des Bautzener Domdechanten Johann Leisentrit mit dem Kamenzer Rat eine Überlassung der Klostergebäude und dessen Inventars.

In der Vereinbarung zwischen Franziskanerorden und Stadtrat aus dem Jahre 1565 wurde festgelegt, dass die Stadt das Kloster übertragen bekommt, wenn die Klosterkirche für den Gottesdienst in sorbischer Sprache genutzt und Kirchenschmuck bzw. -kleinodien treuhänderisch durch die Stadt verwahrt bzw. unbeschädigt erhalten, in den übrigen Klostergebäuden eine Stadtschule eingerichtet sowie bei Wiederaufnahme des Klosters durch den Orden die Anlage zurückübertragen wird. Weiterhin musste die Stadt für den Unterhalt des letzten verbliebenen Klosterbruders aufkommen. Dieser starb 1567. Im Jahre 1570 erfolgte die endgültige Übergabe der Klosteranlage an die Stadt, obwohl diese jene längst in ihren Besitz genommen hatte. So fand bereits seit 1565 in der Klosterkirche der Gottesdienst für die sorbische – protestantische – Kirchgemeinde statt, weshalb sie im Volksmund bis heute den Namen “Wendische Kirche” trägt. Ebenfalls Ende der 1560er Jahre wurde die Ratslateinschule – das Lyceum Camentiense – (und seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts die Bürgerschule) im Konvent untergebracht. 1587 fanden Baumaßnahmen ihren Abschluss, die die Errichtung von Wohnungen für Lehrer und auswärtige Schüler betrafen. Wahrscheinlich gleichfalls schon im 16. Jahrhundert diente das Nebengelass resp. der Wirtschaftshof als Werkplatz für die Baugewerke und den Röhrmeister. Wurde die Gartenkapelle anfänglich nur zur Lagerung des Zehntgetreides genutzt, so kam es 1666 im ersten Stock zur Einrichtung der Ratsbibliothek.

Gotthold Ephraim Lessing (geb. am 22. Januar 1729 in Kamenz, gest. am 15. Februar 1781 in Braunschweig) gehört zu den Wegbereitern des deutschen Nationaltheaters. Für Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) war er “der höchste Verstand” und für die Menschen im 19. Jahrhundert “Deutschlands Stolz”. Seine Kindheit bzw. ersten zwölf Lebensjahre verbrachte er in seiner Geburtsstadt, bevor er 1741 die Fürstenschule St. Afra in Meißen. Mit dem Beginn seines Studium an der Universität in Leipzig im Jahre 1746 kam er nur noch selten in seine Heimatstadt. Seine Familie selbst zählt zu den bedeutendsten im Kamenz des 18. Jahrhunderts. Aus ihr gingen Ratsherren, Bürgermeister, Kaufleute und Geistliche hervor, die vor allem auch in der Stadt wirkten.

Die feierliche Eröffnung der Strecke von Kamenz nach Radeberg fand am 30. September 1871 mit einem Festzug statt – im Vergleich zu den anderen Städten der Oberlausitz verspätet. So blieb Kamenz außen vor, als Bautzen, Zittau, Löbau und Görlitz in kürzester Zeit Mitte der 1840er Jahre eine gemeinsame Eisenbahnlinie erhielten. Als dann 1865 auch Lauban an das Schienennetz angeschlossen wurde, verfügten alle ehemaligen Sechsstädte über einen Gleisanschluss. Nur eben Kamenz nicht. Noch ein weiteres halbes Jahrzehnt musste sich die Stadt mit der Postkutsche nach Radeberg bzw. Bautzen oder Bischofswerda begnügen, wenn es darum ging, den nächstgelegenen Bahnhof zu erreichen. Vielen Menschen ging es über ihre Vorstellungskraft, dass ein neues Verkehrsmittel binnen kürzester Frist eine derartige Revolution auf die Fortbewegung von Personen und Gütern herbeiführen konnte. Doch auch Kamenz erlebte nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz innerhalb eines viertel Jahrhunderts einen enormen Aufschwung

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Der Stadtbrand von 1842 hatte auch beträchtliche Auswirkungen auf das Kamenzer Gewerbe. Von den 376 Gewerbetreibenden der Stadt waren 326 abgebrannt. Darunter fiel auch der Großteil der 73 Tuchfabriken – dem größten Arbeitgeber der Stadt. Beim Wiederaufbau der Stadt genoss der Wohnungsbau Vorrang. So profitierten anfänglich vor allem die ortsansässigen Baugewerke. Eine weitere Verbesserung für den Wirtschaftsstandort bestand in der Anbindung an das Schienennetz. Einen besonderen Aufschwung nahm die Stadt, als 1886 Julius Feig Bürgermeister wurde. Die Herstellung einer der Neuzeit entsprechenden Wasserleitung, der Neubau des Hutberg-Restaurants, die wesentliche Erweiterung und Verschönerung der Stadt, deren Einwohnerzahl sich in seiner Amtszeit beinahe verdoppelte, bedeutende Verbesserung des städtischen Beleuchtungswesens durch zeitgemäßen Um- und Erweiterungsbau der Gasanstalt, Erwerb und Umbau des Elektrizitätswerks und Anschluss des Netzes an das Pulsnitzer Werk, Erweiterung des Grundbesitzes der Stadt durch zahlreichen Feld-, Forst- und Gütererwerb, Begründung der Realschule mit Progymnasium und der prächtige Neubau dieser Schule, Anlage des Stadtbades, umfassende Straßenbauten und allem , die Verlegung des 13. Infanterie-Regiments Nr. 178 nach Kamenz sorgten für einen für die Stadt bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges – am 1. November 1944 –  wurde über die Elster GmbH in der Tuchfabrik Gebr. Noske & Co. (der sogenannten Herrenmühle) ein Außenlager des KZ Groß-Rosen eingerichtet. Die an Entkräftung gestorbenen als auch getöteten Häftlinge wurden in den Heizkesseln der Fabrik verbrannt. Bereits im März 1945 wird das Lager wieder “evakuiert”. Von den etwa 1.000 Häftlingen, die sich in Kamenz befanden und nun auf eines Todesmarsch geschickt wurden, kamen nur 690 in Dachau an. Am 7. Mai 1945 erfolgt derweil die kampflose Übergabe der Stadt an die Rote Armee. Die Wiederbewaffnung Europas führte 1952 zur Reanimierung der Kasernenanlagen in Kamenz, indem das streng bewachte Gelände von der Sowjetarmee durch die Kasernierte Volkspolizei (KVP) übernommen wurde. Zwischen 1953 und 1955 erfolgte der Aufbau und die Inbetriebnahme. Schon in der zweiten Jahreshälfte 1952 trafen die ersten Rekruten ein. Am 3. Januar 1955 kam es zur eigentlichen Gründung der Fliegerschule der KVP-Luft. Mit der Gründung der Luftstreitkräfte der NVA erfolgte die Umbenennung in Fliegerausbildungs bzw. im weiteren Verlauf in Offiziers- resp. Offiziershochschule. Aufgrund der politischen Umwälzungen kam es zur Schließung der Offiziershochschule der LSK/LV.

Bis Juli 2008 das Zentrum des Landkreises Kamenz. Es ist ein ruhiges Städtchen mit wenigen Geschäften aber einigen Traditionen, wie zum Beispiel dem alljährlichen Forstfest und dem Hoseana Singen am 24.12. vor dem Rathaus.

Erstellt unter Verwendung von Wikipedia und Kamenz.de

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